Download
Highlights der Motorradtour am Edersee

Der Edersee ist der Bikermagnet Nordhessens und steht im Mittelpunkt jedes Motorradurlaubs in dieser grandiosen Tourenregion.
Mitten im Naturpark Kellerwald-Edersee liegt in waldreicher Umgebung der 27 Kilometer lange Edersee, eines der gröĂten Staubecken Europas. Mit seiner ausgezeichneten WasserqualitĂ€t lockt es nicht nur Baderatten und Wassersportler an, sondern begeistert auch Motorradfahrer, die am Wochenende die Mehrheit der motorisierten Verkehrsteilnehmer stellen.
Dass zu Urzeiten die HöhenrĂŒcken rund um den Edersee durch FlĂŒsse voneinander getrennt wurden, ist speziell fĂŒr die Einspurigen interessant â auf diese Weise entstanden begeisternde Auf- und Abstiege und machen die Region fĂŒr SchrĂ€glagensucher zur gemĂ€hten Wiese.
Vor dem ersten Meter dieser rund 200 Kilometer langen Fahrt um die Ederseeregion steht eine Stippvisite in Waldeck auf dem Programm. Und zwar nicht nur wegen seiner vielen hĂŒbschen FachwerkhĂ€user, sondern auch wegen seines aus dem 12. Jahrhundert stammenden Grafenschlosses.
Die Aussicht von dort oben auf den Edersee ist geradezu mĂ€rchenhaft. FrĂŒher beherbergte das Schloss ein GefĂ€ngnis, dem heute unter dem Motto âHinter Schloss und Riegelâ ein Museum gewidmet ist. Auf drastische Weise wird verdeutlicht, wie man damals mit bösen Buben umsprang.
Wir nehmen Kurs Richtung SĂŒdosten, legen die Maschine in die eleganten Kurven der Edersee-UferstraĂe und steuern die mĂ€chtige Staumauer an. Wie an den meisten deutschen Staumauern stehen auch hier am Edersee die Bikes an sonnigen Wochenenden dicht nebeneinander und bilden eine groĂartige Motorradmeile, die unbedingt abgeschritten werden sollte.
Wer noch nicht gefrĂŒhstĂŒckt hat â ein paar hundert Meter weiter steht mit dem âZĂŒndstoffâ in Hemfurth ein Ă€uĂerst beliebter Motorradtreff, aufgebaut und eingerichtet im Stil eines amerikanischen Roadhouses. Einmal im Jahr findet auf dem GelĂ€nde das bekannte Edersee-Meeting statt.

Vorbei an Bad Wildungen und dessen Kurpark, mit einer FlĂ€che von 50 Hektar der gröĂte in Europa, gelangen wir auf schmalen, kurvenreichen LandstrĂ€Ăchen in den Habichtswald hinein. Dort gilt der Ort Niedenstein als Heimat von König Drosselbart. Das war der König mit dem etwas krumm gewachsenen Kinn und der störrischen Prinzessin.
Um Sagen und MÀrchen geht es auch ein paar Kilometer weiter in Zierenberg. Das ebenfalls zum Habichtswald gehörende StÀdtchen gefÀllt nicht nur durch seinen historischen Kern, seine prÀchtige Kirche und sein gotisches Rathaus, sondern auch mit einer Vielzahl von Geschichten, die sich um die Vergangenheit Zierenbergs ranken.
Zum Beispiel die Sage vom König der Wichtel. Der baute extra fĂŒr ein MenschenmĂ€dchen eine Kirche. Als es seinen Heiratsantrag ablehnte, erstarrte die Kirche unter Blitz und Donner zu einem Felsen, heute âWichtelkircheâ genannt.
Kein MĂ€rchen, sondern Wirklichkeit sind die sportlichen Kilometer, die uns das nordhessische StraĂenbauamt auf der Strecke nach Bad Arolsen unter die RĂ€der wirft. Rauf, runter, links, rechts â die Kurverei auf schmalem, griffigem Asphalt macht Laune.
Da kommt die ehemalige Residenzstadt der FĂŒrsten von Waldeck und Pyrmont als Pausenstopp gerade recht. SchmuckstĂŒck von Bad Arolsen ist sein Barockschloss. 1713 nach französischem Vorbild erschaffen, wird es gerne auch âhessisches Versaillesâ genannt. Das ist nicht ĂŒbertrieben, der Spaziergang durch den Schlosspark ein Muss.

Auch die Weiterfahrt ĂŒber Flechtdorf und Adorf bringt mit ihren einsamen BauernstrĂ€Ăchen und hĂŒgeligem Profil viel FahrspaĂ. Am Diemelsee klappen wir wieder den SeitenstĂ€nder aus und gesellen uns zu den Kollegen, die schon wie am Edersee die Staumauer bevölkern.
Dass man dort heute so friedlich zusammenstehen kann, ist der Zielgenauigkeit einer Flak-Batterie zu verdanken, die im Mai 1943 einen Bombenangriff auf die Diemelmauer abwehrte und dabei drei Lancaster-Bomber abschoss.
Auch das Wahrzeichen Willingens, ein im Ersten Weltkrieg erbautes gewaltiges Eisenbahnviadukt, ĂŒberstand sĂ€mtliche Kriegswirren unbeschadet. 31 Meter hoch und 294 Meter lang, wird die TalbrĂŒcke mit ihren mĂ€chtigen Bögen nach wie vor vom Zug ĂŒberfahren.
Willingen lebt heute hauptsÀchlich vom Fremdenverkehr. Die ersten Sommerfrischler kamen bereits 1895, zwischen 1900 und 1910 entstanden die ersten Hotels.
Wesentlich jĂŒnger ist das Curioseum in Usseln. Der letzte Haltepunkt unserer Tour wurde 2008 auf einem alten Bauernhof eingerichtet und beherbergt ein Museum, das garantiert nicht langweilig wird. Museumsbesitzer Hans Schlömer sammelte im Lauf seines Lebens alles Sinnvolle oder Sinnlose, was ihm unter die Finger kam. Hauptsache kurios. So schlendert der Besucher fasziniert durch ein Sammelsurium aus Oldtimern, Rennwagen, Flugzeugen, NĂ€hmaschinen, Modellen und Werkzeugen. Kurios, aber spannend.






