So kommt die Leistung des Motors zuverlässig am Hinterrad an
Der Motor kann noch so kräftig sein: Erst der Sekundärantrieb bringt seine Leistung zum Hinterrad. Bei Motorrädern übernehmen diese Aufgabe meist Kette, Zahnriemen oder Kardan. Alle drei Systeme funktionieren zuverlässig, unterscheiden sich aber deutlich bei Fahrgefühl, Pflege und Wartungsaufwand. Hier erfährst Du, wie sie arbeiten, worauf Du beim Check achten solltest und wann die Werkstatt gefragt ist.

Was bedeutet Sekundärantrieb
Die Kurbelwelle erzeugt die Drehbewegung des Motors. Kupplung und Getriebe passen diese Bewegung an die jeweilige Fahrsituation an. Vom Getriebeausgang muss die Kraft anschließend noch zum Hinterrad gelangen. Genau diesen letzten Teil der Kraftübertragung nennt man Sekundärantrieb oder Endantrieb.
Je nach Motorrad geschieht das offen über eine Kette, über einen gezahnten Riemen oder innerhalb eines weitgehend geschlossenen Kardansystems. Die Bauart beeinflusst Gewicht, Wartung, Geräuschentwicklung und teilweise auch das Fahrgefühl. Sie sagt jedoch nicht automatisch etwas darüber aus, welches Motorrad besser ist. Entscheidend ist, dass das System zum Einsatzzweck passt und korrekt gepflegt wird.
Kettenantrieb flexibel direkt und pflegebedürftig
Die Rollenkette ist die häufigste Lösung. Ein kleines Ritzel am Getriebeausgang treibt über die Kette das größere Kettenrad am Hinterrad an. Das System ist vergleichsweise leicht, effizient und günstig. Außerdem lässt sich die Übersetzung durch andere Ritzel oder Kettenräder verändern. Dafür läuft die Kette ungeschützt im Freien und ist Wasser, Schmutz sowie wechselnden Belastungen ausgesetzt.
Darauf achtest Du beim Kettencheck
Kette, Ritzel und Kettenrad arbeiten als Satz. Eine neue Kette auf stark verschlissenen Zahnrädern würde schnell erneut Schaden nehmen. Bei deutlichen Verschleißspuren wird deshalb in der Regel der komplette Kettensatz ersetzt.
- Ist die Kette ausreichend geschmiert oder wirkt sie trocken und rostig
- Sind einzelne Glieder schwergängig oder geknickt
- Ist der Durchhang an mehreren Stellen gleichmäßig
- Sind Rollen, Dichtungen oder Laschen sichtbar beschädigt
- Haben Ritzel und Kettenrad noch gleichmäßige Zähne oder wirken sie spitz und hakenförmig
Kette reinigen und schmieren
- Motorrad standsicher abstellen, Motor ausschalten und Getriebe in Neutralstellung bringen.
- Groben Schmutz mit einem für Motorradketten geeigneten Reiniger und einer weichen Bürste lösen. Bei O Ring, X Ring oder Z Ring Ketten nur Produkte verwenden, die für die Dichtungen geeignet sind.
- Gelösten Schmutz abwischen und die Kette trocknen lassen.
- Kettenschmierstoff sparsam auf die Innenseite des unteren Kettenstrangs auftragen. So gelangt er beim Lauf in die belasteten Kontaktbereiche.
- Überschuss entfernen und die vom Produkt angegebene Ablüftzeit beachten. Reifen und Bremse müssen frei von Reiniger und Schmierstoff bleiben.
Wichtig: Drehe das Hinterrad nur von Hand. Lass den Motor während der Arbeit niemals laufen. Das Verletzungsrisiko an Kette und Kettenrad ist erheblich. Straßen fährst, muss der Reifendruck im kalten Zustand wieder auf den für den Straßenbetrieb vorgesehenen Wert eingestellt werden.

Kettendurchhang richtig prüfen
Eine Kette darf weder zu straff noch zu locker sein. Ist sie zu stramm, belastet sie unter anderem Lager und Getriebeausgangswelle. Ist sie zu locker, kann sie schlagen, über Zähne springen oder im Extremfall abspringen. Der richtige Wert und sogar die vorgeschriebene Abstellposition unterscheiden sich je nach Modell. Deshalb gilt ausschließlich die Angabe im Fahrerhandbuch.
Gemessen wird meist am unteren Kettenstrang zwischen Ritzel und Kettenrad. Bewege die Kette von Hand nach oben und unten und ermittle den gesamten Weg. Rolle das Motorrad anschließend etwas weiter und prüfe an mehreren Stellen. Unterschiedliche Werte können auf schwergängige Glieder oder ungleichmäßigen Verschleiß hinweisen.
Zum Nachspannen müssen Hinterrad und Kettenflucht korrekt ausgerichtet sowie Achsmutter und Einsteller mit dem vorgeschriebenen Drehmoment angezogen werden. Wenn Dir Werkzeug, Drehmomentschlüssel oder Erfahrung fehlen, gehört diese Arbeit in die Werkstatt.

Zahnriemen sauber, leise und wartungsarm
Ein Zahnriemen überträgt die Kraft über exakt ineinandergreifende Zähne auf die Riemenscheibe am Hinterrad. Im Inneren sorgen zugfeste Fasern für Stabilität. Der Antrieb arbeitet leise, benötigt kein Kettenfett und bleibt dadurch sehr sauber. Er kommt besonders häufig bei Cruisern und einigen Straßenmotorrädern zum Einsatz.
Wartungsarm bedeutet auch hier nicht kontrollfrei. Prüfe die sichtbare Riemenfläche, die Zähne und beide Kanten auf Risse, Ausbrüche, ausgefranste Stellen oder eingedrückte Fremdkörper. Kleine Steine zwischen Riemen und Riemenscheibe können Schäden verursachen. Öl oder aggressive Reiniger haben am Riemen nichts verloren.
Riemenspannung und Prüfverfahren sind exakt modellspezifisch. Häufig wird ein definiertes Prüfgewicht oder ein spezielles Messgerät benötigt. Verdrehe den Riemen nicht gewaltsam, knicke ihn nicht und hebel ihn niemals über eine Riemenscheibe. Bei auffälliger Spannung, Beschädigungen oder falscher Spur sollte eine Fachwerkstatt übernehmen.

Kardan robust, sauber und nicht völlig wartungsfrei
Beim Kardan läuft eine Welle vom Getriebe in Richtung Hinterrad. Gelenke gleichen die Bewegung der Hinterradfederung aus, Kegelräder lenken die Drehbewegung am Endantrieb zum Rad um. Weil die Bauteile weitgehend geschlossen und geschmiert arbeiten, gibt es außen weder Kettenfett noch einen offen laufenden Riemen.
Der Kardanantrieb ist langlebig und im Alltag besonders pflegeleicht. Dafür ist er schwerer, konstruktiv aufwendiger und bei Reparaturen oft teurer. Moderne Fahrwerke reduzieren die früher deutlich spürbaren Lastwechselreaktionen, ganz verschwunden sind die konstruktiven Unterschiede zu Kette und Riemen jedoch nicht.
Für Deinen Check genügen zunächst ein sauberer Blick und Aufmerksamkeit beim Fahren: Suche am Gehäuse, an Dichtstellen und Faltenbälgen nach Ölspuren oder Beschädigungen. Achte auf neu auftretendes Spiel, mahlende Geräusche, Vibrationen oder ungewöhnliche Lastwechsel. Ölwechsel und weitere Wartungsarbeiten am Endantrieb erfolgen nach dem Wartungsplan des Herstellers und gehören bei fehlender Fachkenntnis in die Werkstatt.

Die drei Antriebsarten im direkten Vergleich
| Merkmal | Kette | Zahnriemen | Kardan |
| Pflege | Regelmäßig reinigen schmieren und Spannung prüfen | Sichtprüfung und Spannung nach Vorgabe | Sichtprüfung und Wartung nach Serviceplan |
| Vorteile | Leicht effizient günstig und flexibel | Sauber leise und wartungsarm | Robust sauber und komfortabel |
| Nachteile | Höherer Pflegeaufwand und Verschleiß | Empfindlich gegen Schäden und teurer Austausch | Mehr Gewicht und aufwendige Reparaturen |
| Typisch für | Viele Naked Bikes Sportler Tourer und Enduros | Vor allem Cruiser und ausgewählte Straßenmotorräder | Viele Reiseenduros und Tourenmotorräder |
Dein schneller Check vor der Fahrt
- Kette: Zustand, Schmierung und Durchhang ansehen. Nach Regen, Wäsche oder staubigen Fahrten besonders aufmerksam prüfen.
- Zahnriemen: Zähne und Kanten kontrollieren, nach Fremdkörpern suchen und auf die korrekte Spur achten.
- Kardan: Gehäuse und Dichtstellen auf Ölspuren prüfen und bei Spiel, Vibrationen oder neuen Geräuschen reagieren.
Unabhängig von der Bauart gilt: Verändert sich der Antrieb plötzlich, hörst Du neue Geräusche oder entdeckst Du sichtbare Schäden, fahre nicht einfach weiter. Prüfe das Fahrerhandbuch und lass das Motorrad im Zweifel fachgerecht kontrollieren.
Fazit
Kette, Zahnriemen und Kardan erfüllen dieselbe Aufgabe, verlangen aber unterschiedliche Aufmerksamkeit. Die Kette belohnt regelmäßige Pflege mit direkter, effizienter Kraftübertragung. Der Zahnriemen bleibt sauber und leise, braucht jedoch eine sorgfältige Sicht- und Spannungsprüfung. Der Kardan nimmt Dir viel Routinearbeit ab, muss aber nach Herstellervorgabe gewartet und auf Undichtigkeiten oder Spiel kontrolliert werden.
Wenn Du Deinen Sekundärantrieb kennst und regelmäßig prüfst, erkennst Du Verschleiß früher, schützt teure Bauteile und bist sicherer unterwegs. Die konkreten Prüfbedingungen, Sollwerte, Schmierstoffe und Wartungsintervalle findest Du immer im Fahrerhandbuch Deiner Maschine.




