Sicher auf den ersten Trackday

Auf der Rennstrecke wirken höhere Geschwindigkeiten, stärkere Bremskräfte und größere Schräglagen auf Dein Motorrad als bei einer normalen Tour. Gleichzeitig steigen die Temperaturen von Reifen, Bremsen und Motor. Eine sorgfältige Vorbereitung ist deshalb besonders wichtig.
Die gute Nachricht: Für ein Einsteigertraining benötigst Du in der Regel kein spezielles Rennmotorrad. Ein technisch einwandfreies Straßenmotorrad reicht bei vielen Veranstaltern vollkommen aus. Bevor Du mit der Vorbereitung beginnst, solltest Du jedoch immer die Teilnahmebedingungen Deines Veranstalters lesen. Die Vorgaben können sich je nach Strecke unterscheiden.
1. Reifen gründlich kontrollieren
Die Reifen stellen den einzigen Kontakt zwischen Deinem Motorrad und dem Asphalt her. Ihr Zustand hat daher oberste Priorität.
Kontrolliere vor dem Trackday:
- ausreichende Profiltiefe und genügend Verschleißreserve
- gleichmäßiges Verschleißbild
- Risse, Schnitte oder eingefahrene Fremdkörper
- Beschädigungen an den Reifenflanken
- Zustand und festen Sitz der Ventile und Ventilkappen
- Alter und allgemeine Beschaffenheit der Reifen
Für ein Rookie-Training reichen häufig geeignete Straßen- oder Sportreifen aus. Alte Reifen auf der Rennstrecke „aufbrauchen“ zu wollen, ist dagegen keine gute Idee. Die hohe Belastung kann einen bereits stark verschlissenen Reifen schnell überfordern.
Slicks und Reifenwärmer sind für den ersten Trackday normalerweise nicht erforderlich. Sie setzen Erfahrung, eine passende Fahrweise und Kenntnisse über Temperatur und Reifendruck voraus.
Reifendruck nicht einfach pauschal absenken
Auf der Rennstrecke erwärmen sich die Reifen stärker als im Straßenverkehr. Deshalb können andere Reifendrücke erforderlich sein. Einen allgemein gültigen Rennstreckenluftdruck gibt es jedoch nicht. Der richtige Wert hängt unter anderem von folgenden Faktoren ab:
- Reifenmodell und Reifenkonstruktion
- Motorrad und Fahrzeuggewicht
- Außentemperatur und Asphalttemperatur
- Geschwindigkeit und Fahrstil
- kalter oder warmer Messung
- Einsatz oder Verzicht auf Reifenwärmer
Orientiere Dich an den Angaben des Reifenherstellers und frage beim Reifendienst oder Instruktor vor Ort nach. Senke den Reifendruck niemals auf Verdacht stark ab. Ein falscher Luftdruck kann das Fahrverhalten verschlechtern und den Reifen beschädigen.
Wenn Du nach dem Training wieder auf öffentlichen Straßen fährst, muss der Reifendruck im kalten Zustand wieder auf den für den Straßenbetrieb vorgesehenen Wert eingestellt werden.
2. Bremsanlage überprüfen
Auf der Rennstrecke wird deutlich häufiger und kräftiger gebremst. Die Bremsanlage muss deshalb zuverlässig funktionieren und ausreichend Reserven besitzen.
Prüfe vor der Veranstaltung:
- Stärke der vorderen und hinteren Bremsbeläge
- Zustand der Bremsscheiben
- festen und klaren Druckpunkt
- Bremsflüssigkeitsstand
- Einhaltung des Wechselintervalls der Bremsflüssigkeit
- Bremsleitungen auf Scheuerstellen, Risse oder Undichtigkeiten
- freie Beweglichkeit von Hand- und Fußbremshebel
Bremsbeläge, die bereits nahe an ihrer Verschleißgrenze liegen, sollten vor dem Trackday gewechselt werden. Kontrolliere neue Beläge rechtzeitig und fahre sie entsprechend den Herstellerangaben ein.
Fühlt sich der Bremshebel weich oder schwammig an, muss die Ursache vor dem Training durch eine Fachwerkstatt geklärt werden.

3. Kette und Antrieb kontrollieren
Häufiges Beschleunigen und Lastwechsel beanspruchen Kette, Ritzel und Kettenrad stärker als eine entspannte Straßenfahrt.
Achte auf:
- korrekten Kettendurchhang nach Herstellerangabe
- gleichmäßige Kettenspannung
- ausreichende Schmierung
- schwergängige oder beschädigte Kettenglieder
- Zustand von Ritzel und Kettenrad
- korrekte Hinterradausrichtung
- sicheren Sitz der Hinterachse
Eine zu straffe Kette kann Lager und Getriebeausgangswelle belasten. Eine zu lockere Kette kann schlagen oder im schlimmsten Fall abspringen. Verwende deshalb immer den in der Betriebsanleitung angegebenen Einstellwert.
Trage Kettenspray möglichst rechtzeitig vor der Fahrt auf und entferne überschüssiges Schmiermittel. So verhinderst Du, dass es während der Fahrt auf Reifen oder Bremse geschleudert wird.
4. Flüssigkeiten und Dichtheit prüfen
Auf der Rennstrecke darf das Motorrad keine Betriebsstoffe verlieren. Schon kleine Mengen Öl oder Kühlmittel können für Dich und andere Fahrer gefährlich werden.
Kontrolliere:
- Motorölstand
- Kühlmittelstand
- Bremsflüssigkeitsstand
- Motor, Ölfilter und Ablassschraube auf Undichtigkeiten
- Kühler und Kühlmittelschläuche
- Bremsleitungen und Bremssättel
- Gabel und Federbein auf austretendes Öl
- Kraftstoffsystem und Tankverschluss
Fülle Motoröl und andere Flüssigkeiten nicht über die vorgeschriebene Maximalmarkierung hinaus auf. Entdeckst Du eine Undichtigkeit, muss sie vor dem Trackday fachgerecht behoben werden.
Einige Veranstaltungen schreiben zusätzliche Sicherungen an Ölablassschraube, Ölfilter oder Einfüllöffnungen vor. Solche Arbeiten sollten bei fehlender Erfahrung von einer Fachwerkstatt durchgeführt werden.

5. Lose Anbauteile entfernen
Alles, was sich während der Fahrt lösen kann, gehört nicht auf die Rennstrecke. Entferne vor dem Training nach Möglichkeit:
- Koffer und Gepäckträgeraufsätze
- Tankrucksack und Hecktasche
- Navigationsgeräte und Smartphone-Halterungen
- nicht benötigte Kameras und Kamerahalter
- lose Schlüsselanhänger
- sonstiges Zubehör ohne sichere Befestigung
Kontrolliere außerdem Verkleidungsteile, Hebel, Fußrasten, Lenkerenden, Auspuff und Kennzeichenhalter auf festen Sitz. Schrauben dürfen nur mit den für Dein Motorrad vorgeschriebenen Drehmomenten angezogen werden. Einfaches „kräftiges Nachziehen“ kann Gewinde oder Bauteile beschädigen.
6. Spiegel, Beleuchtung und Kennzeichen vorbereiten
Bei vielen Rennstreckenveranstaltern müssen Spiegel, Scheinwerfer, Rücklicht und Blinker blickdicht abgeklebt oder demontiert werden. Das Kennzeichen wird meistens abgeschraubt.
Das hat mehrere Gründe:
- Spiegel sollen nicht vom Geschehen vor Dir ablenken.
- Abdeckungen reduzieren bei einem Sturz das Risiko herumliegender Teile.
- Das Bremslicht soll nachfolgende Fahrer nicht irritieren.
- Das Kennzeichen und sein Halter können sich lösen.
Verwende ein geeignetes Klebeband, das sich später möglichst rückstandsfrei entfernen lässt. Beachte dabei die Vorgaben des Veranstalters und die technischen Besonderheiten Deines Motorrads. Beleuchtung oder Sicherungen sollten nicht ohne Kenntnis der Fahrzeugelektronik verändert werden.
Wenn Du mit dem Motorrad zur Rennstrecke anreist, musst Du Beleuchtung, Spiegel und Kennzeichen vor der Rückfahrt wieder ordnungsgemäß montieren beziehungsweise freilegen.

7. Fahrwerk nicht auf Verdacht verstellen
Ein gut eingestelltes Fahrwerk verbessert Stabilität, Rückmeldung und Reifenverschleiß. Einsteiger sollten jedoch nicht kurz vor dem Trackday wahllos an Zugstufe, Druckstufe oder Federvorspannung drehen.
Prüfe zunächst:
- Gabel und Federbein auf Undichtigkeiten
- Lenkkopflager auf Spiel
- Radlager auf Spiel oder ungewöhnliche Geräusche
- freie Beweglichkeit der Lenkung
- Grundeinstellung nach Betriebsanleitung
- passende Einstellung für Fahrergewicht und Beladung
Wenn Du das Fahrwerk anpassen möchtest, nutze den Fahrwerksservice vor Ort oder lasse die Einstellung vorher von einer Fachwerkstatt vornehmen. Notiere Dir immer die ursprünglichen Einstellungen, bevor etwas verändert wird.
8. Bedienelemente und Assistenzsysteme prüfen
Gasgriff, Kupplung, Bremshebel, Schalthebel und Fußrasten müssen leichtgängig funktionieren und zu Deiner Sitzposition passen. Der Gasgriff muss nach dem Loslassen selbstständig und vollständig schließen.
Moderne Motorräder verfügen häufig über Fahrmodi, Traktionskontrolle, ABS und weitere Assistenzsysteme. Für Einsteiger gilt: Sicherheitssysteme nicht ohne Grund deaktivieren. Nutze zunächst eine vertraute, gut kontrollierbare Einstellung und besprich mögliche Änderungen mit Deinem Instruktor.

9. Lautstärkevorgaben beachten
Viele Rennstrecken haben strenge Lärmgrenzen. Eine zugelassene Zubehörabgasanlage ist deshalb nicht automatisch für jede Strecke erlaubt. Teilweise werden nur Serienauspuffanlagen oder Anlagen mit montiertem dB-Eater akzeptiert.
Informiere Dich rechtzeitig über:
- zulässigen Geräuschpegel
- vorgeschriebene Abgasanlage
- erforderlichen dB-Eater
- mögliche Geräuschmessung vor Ort
- streckenspezifische Sonderregeln
Gerade am Sachsenring gelten beispielsweise besonders strenge Anforderungen an Auspuffanlage, Katalysator, Airbox und Luftfilter.
10. Abschließender Sicherheitscheck
Führe spätestens am Abend vor dem Trackday eine vollständige Kontrolle durch:
- Reifen in gutem Zustand
- Reifendruck zunächst nach Hersteller- beziehungsweise Veranstalterangabe
- Bremsbeläge mit ausreichender Reserve
- klarer Bremsdruckpunkt
- Kette korrekt gespannt und geschmiert
- keine austretenden Flüssigkeiten
- Gasgriff und Kupplung leichtgängig
- alle wichtigen Bauteile sicher befestigt
- Zubehör und Gepäck entfernt
- Spiegel und Beleuchtung entsprechend den Vorgaben vorbereitet
- Kennzeichen entfernt
- Tankverschluss sicher geschlossen
- Lärmvorgaben erfüllt
Plane die Vorbereitung nicht erst für den Morgen der Veranstaltung. Werden dabei verschlissene Bremsbeläge, beschädigte Reifen oder eine Undichtigkeit entdeckt, bleibt sonst kaum noch Zeit für eine Reparatur.
Nach jedem Turn kurz kontrollieren
Auch während des Trackdays solltest Du Dein Motorrad regelmäßig ansehen. Kontrolliere nach einem Turn insbesondere Reifen, Reifendruck, Bremsen, Kette und mögliche Undichtigkeiten. Achte auf ungewöhnliche Geräusche, verändertes Fahrverhalten oder einen wandernden Bremsdruckpunkt.
Wenn sich etwas nicht richtig anfühlt, fahre nicht einfach weiter. Wende Dich an Deinen Instruktor, den technischen Service oder den Reifendienst vor Ort.

Fazit: Gute Vorbereitung schafft Vertrauen
Für den ersten Trackday braucht es keine aufwendigen Racing-Umbauten. Viel wichtiger ist ein technisch einwandfreies Motorrad mit guten Reifen, zuverlässigen Bremsen und einem gepflegten Antrieb.
Lies die Veranstaltungsunterlagen frühzeitig, lasse sicherheitsrelevante Arbeiten bei Unsicherheit von einer Fachwerkstatt erledigen und nutze die technische Abnahme nicht als Ersatz für die eigene Vorbereitung. Je weniger Du Dich auf der Rennstrecke um Dein Motorrad sorgen musst, desto besser kannst Du Dich auf Blickführung, Linie und Fahrtechnik konzentrieren.
Quellen und weiterführende Hinweise
Hafeneger Renntrainings: FAQ und technische Hinweise
Michelin: Reifenempfehlungen für Motorrad-Trackdays
Sachsenring: Motorrad-Rennstreckentraining und Lärmschutz
ADAC: Experten-Tipps für sicheres Motorradfahren
Redaktioneller Hinweis: Technische Vorgaben, Lärmgrenzen und Anforderungen an Reifen können je nach Rennstrecke und Veranstalter abweichen. Maßgeblich sind die aktuellen Teilnahmebedingungen sowie die Herstellerangaben des jeweiligen Motorrads und Reifens.



