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Highlights der Motorradtour Odenwald und Spessart

Motorradgenuss im Rahmen herrlicher Fachwerkorte, beeindruckender Schlösser und uriger Bikerstopps.
Ob an den Ufern von Rhein, Main, Neckar und Jagst oder inmitten der HĂŒgel des Odenwaldes â nĂ€her ist man nach einem kalten Winter dem FrĂŒhling in Deutschland nirgends. Das gilt vor allem fĂŒr uns Motorradfahrer, denn der ehemals âĂde Waldâ serviert uns unzĂ€hlige Kurven, ehemalige Rennstrecken und gemĂŒtliche Bikertreffs.
Genau wie fĂŒr den Odenwald gilt dies auch fĂŒr das westliche Nachbargebirge, den Spessart. Weil er relativ dĂŒnn besiedelt ist, genieĂt das ehemalige Jagdgebiet des Adels unter Motorradfahrern den Ruf eines Geheimtipps.

GĂ€be es Erbach noch nicht, man mĂŒsste es erfinden. Denn der Startpunkt dieser 230 Kilometer langen Runde durch Odenwald und Spessart ist ein richtiges Juwel. Seit 1095 urkundlich vermerkt, war es ab 1180 Residenzstadt der Grafen zu Erbach. Die steckten jede Menge Geld und Geschmack in ihr Zuhause und verwandelten Erbach in eine blĂŒhende Stadt mit herrlichen GebĂ€uden, StraĂen und Parks.
Ganz vorn auf der Besuchsliste steht das prachtvolle grĂ€fliche Schloss mit seiner Orangerie und seinem Garten. Ein Bummel fĂŒhrt uns durch Erbachs GĂ€sschen zum Landratsamt des Odenwaldkreises, das 1902 im Renaissancestil aus roten Natursteinen erbaut wurde, und weiter ans Ufer der MĂŒmling, wo man sich umgeben von Wasser und FachwerkhĂ€usern vorkommt wie in einer Art Venedig.
Wie in den Voralpen kommen wir uns hingegen auf den ersten Kilometern der Runde Richtung Westen vor: kleinste Wald- und WiesenstrĂ€Ăchen, knackige Kurven, kaum Geraden, mĂ€chtig FahrspaĂ. Hinter Schneeberg folgen noch eine Handvoll SchrĂ€glagen, dann stĂŒrzt sich die Route hinab ins Tal des Mains.
Durch ein imposantes Stadttor rollen wir hinein in eine der hĂŒbschesten historischen AltstĂ€dte SĂŒddeutschlands: Miltenberg. Dessen Fachwerkgassen sind komplett umschlossen von Mauern, Toren und TĂŒrmen und versetzen den Besucher schlagartig zurĂŒck ins Mittelalter. 1237 erstmals offiziell erwĂ€hnt, blickt Miltenberg auf eine bewegte Geschichte zurĂŒck. Die gĂŒnstige Lage an der alten HandelsstraĂe NĂŒrnberg-Frankfurt und das Stapelrecht bescherten Miltenberg schon frĂŒh wirtschaftliche BlĂŒtezeiten. Ab dem frĂŒhen 19. Jahrhundert lag die Stadt allerdings nur noch am Rand des Königreichs Bayern. Die Entwicklung stand still, und so konnte â glĂŒcklicherweise â das mittelalterliche Stadtbild bis heute erhalten werden.

Ein StĂŒck verfolgt die Route noch den Main, bevor sie in GroĂheubach den Fluss verlĂ€sst und sich in den Spessart davonmacht. Und das auf eine fĂŒr Motorradfahrer unterhaltsame Weise: Schmaler, griffiger Asphalt surrt unter der Maschine hindurch, der Verkehr geht ebenso gegen Null wie die Spuren menschlicher Besiedlung. So einsam haben wir uns den Spessart vorgestellt, und genauso einsam ist er. Klasse.
In Eschau-Wildensee empfiehlt sich ein Stopp bei Heiko Beck im Gasthaus Waldfrieden. Neben einer ordentlichen und preiswerten KĂŒche gefĂ€llt die ZĂŒndappsammlung des Hobbyrestaurators.
Der Abgeschiedenheit dieser Region hat auch Schloss Mespelbrunn seine Existenz zu verdanken. Das um 1400 im Renaissancestil erbaute Wasserschloss liegt so versteckt in einem Tal, dass es sĂ€mtliche Kriege und Wirren ĂŒberstand und bis heute in seiner ursprĂŒnglichen Form erhalten blieb. Seit es 1958 jedoch der Filmkomödie âDas Wirtshaus im Spessartâ als Kulisse diente, kennt Schloss Mespelbrunn die ganze Welt.
In puncto Kurven und Kehren wird es nun etwas ruhiger. DafĂŒr tut sich mit Aschaffenburg ein weiteres optisches Highlight auf. Die Hauptstadt des Spessarts blickt auf eine lange und reiche Geschichte zurĂŒck. Sie war Burgenresidenz, Klosterstandort, BrĂŒckenstadt und sogar Sitz der Mainzer Erzbischöfe. Dass dadurch die Liste der zu besuchenden SehenswĂŒrdigkeiten ziemlich lang gerĂ€t, liegt auf der Hand.
FĂŒr einen Schnellschuss eignen sich Schloss Johannisburg, Stiftskirche St. Peter und Alexander, die FuĂgĂ€ngerzone und der Park Schönbusch, ab 1776 im englischen Stil angelegt und damit einer der Ă€ltesten LandschaftsgĂ€rten Deutschlands.

Ăber GroĂ-Umstadt peilen wir wieder den Odenwald an. Im Motorradhotel und Bikertreff LĂ€rmfeuer in Reichelsheim/Rohrbach zischen wir zwischendurch ein kĂŒhles alkoholfreies Blondes und sehen uns ein paar Kilometer weiter beim Ărtchen Lautertal das Felsenmeer an. Dieses archaische StĂŒckchen Erde mit seinen gewaltigen Felsbrocken ist das Produkt von geologischen Prozessen, die vor 340 Millionen Jahren begannen.
Nicht ganz so alt ist das Fachwerkrathaus von Michelstadt â es stammt von 1484. Wir bewundern seine spitzen Giebel und ErkertĂŒrmchen und bestellen noch einen letzten Kaffee, bevor wir uns zum Motorradmuseum der Familie KĂŒnzel aufmachen. Das hat in einem mit typischen Nierentischmöbeln ausgestatteten Raum herrliche SchĂ€tzchen aus der Wirtschaftswunderzeit ausgestellt. Spannend und originell, der perfekte Abschluss eines âbenzingeschwĂ€ngertenâ Tages.




