Tipps beim Helmkauf: worauf du beim helmkauf achten solltest

Ein Motorradhelm gehört zur obligatorischen Schutzbekleidung für jeden Biker: Egal ob Du ein Leichtkraftrad oder einen Supersportler pilotierst. Sofern Dein Zweirad schneller als 20 km/h fährt, bist Du in Deutschland dazu verpflichtet, einen geeigneten Motorradhelm zu tragen. Der Erfolg gibt dieser Regelung recht: Die Zahl der Unfälle mit Todesfolge ist seitdem eklatant gesunken. Egal ob Integralhelm, Jethelm oder Klapphelm: Nach wie vor sind Motorradhelme wahre Lebensretter. Welcher Helmtyp sich für welchen Biker-Typ eignet, aus welchem Material er bestehen sollte, und worauf es beim Helmkauf ankommt, erfährst Du hier.

DIE MERKMALE DER VERSCHIEDENEN MOTORRADHELME IM ÜBERBLICK

Intergralhelm

Die Bandbreite reicht vom hochwertigen und ultraleichten Racing Helm von Arai bis zum bequemen Touren Helm von Shark. Insgesamt bieten Integralhelme den besten Schutz, überzeugen durch ein niedriges Innengeräusch und sind besonders aerodynamisch. Aufgrund der durchdachen Belüftung sind sie besonders bei Piloten von Supersportlern und Sporttourern beliebt.

Mehr Komfort, vor allem für Brillenträger, bieten Klapphelme. Modelle mit einer doppelten P/J Homologation dürfen auch mit nach oben geklappten Kinnteil offen gefahren werden. Auch sind sie oft noch leiser, da der Helmkragen enger ist und Windgeräusche minimiert werden. Bei Systemhelmen, etwa von Shark, kann das Kinnteil sogar um 180° nach hinten geklappt oder komplett demontiert werden. Besonders geeignet für Piloten einer Reiseenduro sind Hybridhelme. Das Visier aus Polycarbonat kannst Du abnehmen. Dank des großen Helmausschnitts kannst Du den Hybridhelm auch mit einer MX oder Crossbrille fahren. Im Vergleich zu einem Integralhelm ist ein Hybridhelm, etwa von Scorpion, etwas lauter und nicht so aerodynamisch.

Maximale Frischluftzufuhr bieten leichte Crosshelme, z. B. von O´Neal oder Leatt. Der weit nach vorn gezogene Kinnbügel eines Crosshelms bietet besten Schutz und optimale Sicht nach vorne. Der Helmschirm dient als Blendschutz und als Schild gegen umherfliegende Steine, Staub und Schmutz.

Retro-Fans und Rollerfahrer schwören auf luftige und leichte Jethelme, etwa von Nolan oder Craft. Dieser Helmtyp eignet sich für niedrige Geschwindigkeiten auf der 50er oder zum gemütlichen Cruisen auf Deinem Chopper.

CARBON, GFK ODER POLYCARBONAT: DIE EIGENSCHAFTEN DER MATERIALIEN AUF EINEN BLICK

Grundsätzlich unterscheidet man beim Material der Außenschalen zwischen thermoplastischen und duroplastischen Werkstoffen. Helme aus Thermoplast, etwa von Nolan, Nexo oder Shark, werden im Spritzgussverfahren hergestellt und stehen ihren Duroplast-Kollegen in puncto Sicherheit nicht nach. Allerdings altern sie schneller und sollten nach rund 5 Jahren gegen einen neuen Helm ausgetauscht werden.

Die Fertigung eines Duroplast Helms ist aufwändiger und somit auch teurer. Sie bestehen aus Fasermatten, die mit Harz getränkt werden. Da ein Motorradhelm aus 100 Prozent GFK/Fiberglas zu schwer wäre, werden sie häufig mit Kohlenstofffaser- und/oder Aramid-Fasern kombiniert. So etwa auch bei Helmen von Craft, oder HJC. Dieser Materialmix wird auch als Composite Fiber bezeichnet. Da die einzelnen Lagen dieser Verbundwerkstoffe häufig in Handarbeit verarbeitet werden, sind Duroplast-Helme meist teurer, aber auch haltbarer als ein Helm aus Thermoplast.

TIPP:

Hochwertige und langlebige Motorradhelme aus Carbon, etwa von Xlite oder Shark bestehen nie zu 100 Prozent aus Kohlefaser. Das zugfeste, aber dafür auch spröde Material kommt meist nur bei der äußeren Schicht zum Einsatz. Die Lagen darunter bestehen in der Regel aus Fiberglas oder Aramid-Matten.

HELMSCHALE, INNENSCHALE, POLSTERUNG: DIE WICHTIGSTEN KOMPONENTEN EINES MOTORRADHELMS IM ÜBERBLICK

Die Helmschale

Sie ist die wichtigste Komponente eines Motorradhelms. Gefertigt aus Polycarbonat, GFK
oder Carbon, ist sie stabil und elastisch genug, um Aufprallenergie zu absorbieren, ohne dabei zu brechen. Je mehr Schalen- und Helmgrößen der Hersteller für seine Motorradhelme anbietet, desto besser. Denn kommt nur eine Helmschale für alle Kopfgrößen von XS bis XXL zum Einsatz, muss auch die Innenschale dicker sein. Das erhöht das Gesamtgewicht und den Luftwiderstand des Helms und strapaziert die Nackenmuskulatur zusätzlich.

Die Innenschale

Sie besteht meist aus Styropor, bzw. aus EPS (Expandiertes Polystyrol). Die leichten Styropor-kügelchen der Innenschalle enthalten viel Luft und werden durch Krafteinwirkung zusammengepresst. Dabei wird die Energie zu einem großen Teil abgebaut und Dein Kopf effektiv geschützt. Nach wie vor stellt EPS die beste Kombination aus geringem Gewicht und Schlagdämpfung dar. Der Nachteil von EPS: Nach rund acht Jahren verliert es seine dämpfenden Eigen-schaften, da die Luft auch ohne Krafteinwirkung nach und nach aus dem Material entweicht.

Das Innenpolster

Es besteht aus Schaumstoff und sollte heraus-nehmbar sein und Schweiß absorbieren. Hersteller
wie HJC setzen hierzu auf ein waschbares und feuchtigkeitsableitendes Material, etwa Polyester
oder Polyurethan. Je nach Hersteller, etwa bei
Helmen von Shark oder Shoei, können die Wangen-polster nach einem Unfall auch entnommen werden, damit der Helm schonend abgenommen werden kann.

KEIN HELM GLEICHT DEM ANDEREN. VOR DEM HELMKAUF GILT DAHER: TESTEN, TESTEN, TESTEN

Genau wie beim Schuhkauf, solltest Du möglichst viele Helme unterschiedlicher Hersteller anprobieren. Denn die Passformen unterscheiden sich erheblich. Während europäische Hersteller wie Nolan und Schuberth Motorradhelme mit einer ovalen Form anbieten, sind Helme asiatischer Hersteller wie LS2 oder HJC rundlich, amerikanische Helme dagegen eher länglich.

Entscheidend ist, dass der Helm Deinen Kopf fest umschließt. Er darf rundherum kein Spiel haben oder drücken. Wichtig: Wenn Du einen Helm im POLO-Shop anprobierst, trage ihn mindestens 10 oder besser noch 15 Minuten auf Deinem Kopf. Mache einen kleinen Spaziergang mit Deinem Wunschhelm und achte dabei auf folgende Punkte:

  • Der Kinnriemen darf nicht scheuern
  • Das Innenfutter sollte nicht jucken
  • Deine Brille darf nicht unangenehm an den Schläfen drücken
  • Die Sonnenblende darf Dich nicht irritieren

TIPP:

Ob das Sichtfeld für Dich passt und die Bewegungsfreiheit optimal ist, testest Du am besten mit geschlossener Jacke in der Fahrposition auf deinem Bike. Gerne kannst Du dazu eine Probefahrt mit uns vereinbaren. Sprich einfach die Kollegen in Deinem POLO Store an!

IST EIN MOTORRADHELM, DER DIE NORM NACH ECE-R 22/05 ERFÜLLT, AUF DEUTSCHEN STRASSEN PFLICHT?

Laut der geltenden deutschen StVO muss der Helm lediglich zur Verwendung auf dem Motorrad geeignet sein. Grundsätzlich sind alle ECE-geprüften Helme straßentauglich, aber zumindest in Deutschland nicht gesetzlich vorgeschrieben. Aber aufgepasst: In einigen europäischen Ländern droht Dir ein Bußgeld, wenn Du ohne einen zertifizierten Motorradhelm unterwegs bist.

Helme, die die Norm nach ECE-R 22/05 erfüllen, werden übrigens auf folgende Eigenschaften hin überprüft:

  • Stoßdämpfung
  • Formstabilität
  • Abstreifschutz
  • Reißfestigkeit des Kinnriemens

Darüber hinaus muss das Visier eines solchen Helms Lichtdurchlässig sein und bestimmte optische Eigenschaften erfüllen, sowie kratz- und durchdringungsfest sein.

Drei Punkte, auf die du beim Helmkauf achten solltest

Ventilation

Zu einem guten Integralhelm, etwa von Shark, LS2 oder HJC gehört eine gute Belüftung. Achte darauf, dass der Helm mehrere, leicht bedienbare Luftein- und -auslässe besitzt. Die Frischluft sollte durch den Kinnbügel hinters Visier und durch die Öffnungen im Stirnbereich über den Kopf hinweg nach draußen strömen.

Funktionalität

Eine Schnellwechsel-Mechanik am Visier, eine Pinlock® Antibeschlag-Scheibe, Sonnenblende, sowie herausnehmbare, waschbare Polster sollten zur Ausstattung des Helms gehören. Praktisch sind Aussparungen für Brillenbügel und die Möglichkeit, ein Bluetooth Headset nachzurüsten. Immer häufiger gehören auch Notfall-Wangenpolster dazu, die zur schnellen Helmabnahme durch Ersthelfer schonend herausgenommen werden können.

Verschluss

Ein Ratschenverschluss am Kinnriemen ist praktisch, ein Doppel-D-Verschluss aus dem Rennsport noch sicherer. Er wird bei jedem Festzurren neu und optimal angepasst und ein ungewolltes Öffnen ist selbst bei großer Krafteinwirkung unmöglich.